Troja
In
Izmir haben wir dann Dienstags noch an einer waschechten Zigeuner-Hochzeit
teilgenommen,bevor wir endgültig unsere Heimreise antraten.
Da
es immer noch keinen Termin für die Fähre gab, entschieden wir
uns für die Rückreise über Griechenland, um in Igoumenitsa
die Fähre nach Ancona zu nehmen. Also flugs die Sachen gepackt und
Abreise.
Noch
ein kurzer Zwischenstop bei den Zigeunern zur Verabschiedung, kleine Dusche
mit dem Wasserschlauch inbegriffen und dann gings ab Richtung Heimat mit
lauter Musik von Tarkan und dem Krach der jubelnden Fußballfans,da
die Türkei in der EM das Viertelfinale erreicht hatte.Sogar die Polizisten
waren blendender Laune,keiner hat sich für uns interessiert. Alle
Autos waren wie wild am Hupen und überall wurde mit der türkischen
Flagge rumgewedelt.
Kurz
vor Cannakkale legten wir wieder eine Übernachtung ein, natürlich
genau an der selben Tankstelle wie auf dem Hinweg.
Ercüment
war hocherfreut,uns wiederzusehen und auch Osman,dem Collimix, war ebenfalls
die Freude anzusehen.
Hatte
er doch jetzt wieder eine Nacht mit Schmuse-Garantie vor sich.
Beim
Tee im Büro der Tankstelle überredete uns Ercüment,am nächsten
Morgen bei ihm Zuhause zu frühstücken und noch einen Abstecher
mit ihm nach Troja und in die nähere Umgegung zu machen.
Da
wir es nicht eilig hatten,standen wir also am nächsten Morgen bei
ihm Zuhause auf der Matte und haben draussen vor seinem Haus gefrühstückt.
Und
es kam mal wieder so,wie es immer kommt...auf dem Nachbar-Grundstück
war ein junger Kangal-Welpe mit einer kurzen Wäscheleine an einem
Baum angebunden.
Von
den Nachbarn weit und breit keine Spur.
Es
war mal wieder Liebe auf den ersten Blick und nachdem ich ihm eine Schüssel
mit Wasser hingestellt hatte,kam er bereitwillig mit zu uns an den Frühstückstisch.
Dort
wurde er geknuddelt und gefüttert.Ich hätte ihn gerne mitgenommen,aber
Ercüment ließ sich nicht erweichen,da der Hund ja Eigentum von
seinen Nachbarn war.
Also
musste ich ihn wieder schweren Herzens mit der Wäscheleine an seinem
Baum anbinden,mit der traurigen Gewissheit,dass er wahrscheinlich in zwei
Wochen nicht mehr leben würde. Zum einen,da er am Tage nichts zu trinken
hatte und zum anderen,da vor dem Baum eine Mauer war,an der er jetzt schon
immer versuchte hochzuklettern. In ein zwei Wochen hätte er es auf
die Mauer geschafft und sich beim Versuch,auf der anderen Seite herunter
zu springen,mit seiner kurzen Wäscheleine selbst stranguliert.
Ercüment
versprach mir aber,seine Nachbarn auf dieses Risiko aufmerksam zu machen.
Nach
einem letzten Blick auf den Welpen,ich hatte schon schon Osman,den Zweiten
getauft,fuhren wir an die Meerenge zwischen Europa und Asien.
In
der Ecke sieht man überall verlassene militärische Einrichtungen
zum Schutz gegen vermeintliche Gegner.
Deniz
hat natürlich erstmal so ne blöder Kanone erklommen.
Das
Wasser ist dort sehr aufgewühlt und dreckig,anscheinen wird dort der
ganze Wohlstandsmüll von Istanbul angetrieben.
Kein
schöner Ort und so fuhren wir dann weiter nach Troja.
Dort
blieb uns angesichts der hohen Eintrittspreise erstmalig die Spucke weg.
Alleine für den Benz sollten wir schon 10 Millionen TL zahlen,und
dann pro Person nochmal das Gleiche. Das war uns entschieden zu teuer,aber
nach kurzem Verhandeln zwischen Ercüment und der Kassenfrau durften
wir dann zu einem annehmbaren Preis den Eingang passieren.
Das
Riesen-Holzpferd hat mich als Kind schon immer fasziniert und es ist toll,es
mal live zu sehen,auch wenns nur eine kitschige Kopie ist.
Durch
die eigentlichen Ruinen sind wir quasi durchgeflitzt,weil es zwischen den
windgeschützten Mauern vor Hitze nicht auszuhalten war.
Anschließend
sind wir zu einem Badeort gefahren,um uns im Meer abzukühlen.Aber
da ich den Dreck von der anderen Stelle noch in Erinnerung hatte,konnte
zumindest ich in Erwartung von fiesen Hautausschlägen,das kühle
Nass nicht richtig genießen.
Ercüment
tat da an dem Strand noch einen Mechaniker auf,der die ewig spinnende Elektrik
am Benz so zwischen Tür und Angel in Ordnung brachte und dann gings
nach einer innigen Verabschiedung Richtung Cannakkale.
Diesmal
hatten wir Glück und wir konnten sofort auf die Fähre.
Kurz
vor der griechischen Grenze hatte uns dann doch zum ersten Mal die türkische
Polizei am Wickel und wir durften unsere letzten türkischen Lire zum
Wohle der "türkischen Witwer-Pensionen" spenden...naja,irgendwann
erwischt es uns halt auch:-(
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